Ich habe nun das erste mal geträumt in der Zeit hier, sonst habe ich einen traumlosen Schlaf. Träumen ist richtig anstrengend, ich war am morgen richtig erschöpft. Im Traum fuhr ich mit einem Wagen mit 7 Anhängern auf einer Autobahn wie ein Wahnsinniger und drängte alle weg und überholte alles.
Das Schiffleben ist schon interessant und seltsam: Viel mehr als auf Land versuchen die Menschen, einzuordnen oder selbst ein Profil von sich zu erstellen. Sehr spannend!
Ich habe bei der sogenannten “Piratenparty” beim Song “Cotton Eye Joe” mit meinem linken Auge einen Passagier geköpft, ein Foto von mir ist in der Gallerie zu sehen. Das interessante dabei ist, wie das mein Image hier an Bord beeinflusst. Und in 2 Wochen wird es wieder ein anderes sein, zweifellos. Es gibt hier kein kollektives Gedächtnis, welches ich bereits wahrnehmen kann. Oder sagen wir mal, meine Wahrnehmung ist in der Hinsicht schwach, ich habe wenig Interesse an den “wer-mit-wem”-Geschichten oder “geile-Party-gestern-,-was-?”. Ich interessiere mich schon für Klischees, solange ich nicht das Objekt bin, und das bleibt hier leider nicht aus. Aber was solls, ich werde lernen, was gutes draus zu machen, und manchmal habe ich auch Lust darauf
. Anstrengend finde ich Menschen, die sehr fest in ihrem Image sitzen und sich so fühlen, als wären sie angekommen. Sie bauen die Menschen um sie herum in ihre Welt ein, ich fühle mich manchmal genervt, wenn ich anwesend bin.
Ich lerne jetzt noch einige neue Orte auf dem Schiff kennen. Ich gehe auf meinen Dienstwegen umher, und wenn ich in einen neuen Bereich komme, ist das eine ganz andere Stimmung, auch wenn er nur 2 Meter neben meinem üblichen Weg liegt. Manchmal kommt es mir vor, als wäre ich ein Fremdkörper in Bereichen, in die ich eigentlich nicht gehöre, und dass ich mich dort nicht aufhalten sollte (ich meine damit nicht die Stelle, wo die Schiffsschraube hängt
)
Das gute an meiner Arbeit ist ja unter anderem, dass ich eigentlich freier als andere überall umhergehen kann, wenn ich was drehe. Aber ich mache noch nicht Gebrauch davon, ich bin immer im Modus, meine Arbeit richtig zu verstehen und auszuführen. Meine Arbeit ist relativ klar definiert, da seitens Fred einfach viel Erfahrung da ist, was im Video gut funktioniert oder nicht. Ich finde das gut, ich will nicht das Format hier neu erfinden, auch wenn ich manche Parts schwierig finde. Das ist (glücklicherweise) nicht maßgeblich.
Das hat auch sehr viele soziale Aspekte: auf den letzten beiden Reisen waren jeweils Gäste, mit denen ich mehrere Situationen erlebte und deshalb eine persönlicheres Verhältnis entstand. Ich lote aus, inwieweit das gut ist für mich, für meine Arbeit. Den Gästen scheint es zu gefallen. Gut daran ist, dass jede Woche alles wieder neu ist.
















3 Kommentare
Bianca1 sagt:
2007/11/30 von 15:50 (UTC 2)
Du Träumerle, hier träumt man eher von Sonnenschein wie in Barcelona, wenn man sich auf dem Weihnachtsmarkt mit Glühwein (igitt) aufwärmen muss
)
Konfusius sagt:
2007/12/01 von 23:21 (UTC 2)
Guden Gernot,
wie gewohnt, übst Du Dich fleißig im Beobachten und sortierts das Schubladendenken Deiner Umgebung in Karteikästen ein. Die Bildunterstützung macht das ganze wirklich bunter. Dazu zwei Kommentare, die Du intuitiv selbst einem der gepostetn Bilder zuordnen darfst: “Auge um Auge” oder “Das passt ja wie die Fast aufs…” (Ok dass war ein Kalauer, ich geb´s´zu) Und der Kommentar zu den zweiten Bild Deiner Wahl: “Würde ich mir sofort als Fototapete an die Wand kleistern und dazu den Ruf der Möwen mehrstimmig immitieren – echt stimmungsvolles Bild!”
und durch!
In Punkto Arbeitstag, scheint man Dir ja ganz schön auf den Schneidezahn zu fühlen. Aber besser kanns für Dich ja gar nicht laufen: Wenn Du Dich nicht durchbeißen müsstest würdest Du bestimmt den Biss und damit das Interesse verlieren. Also: Auge zu – hast Du ja schon erledigt
Konfusius sagt:
2007/12/01 von 23:41 (UTC 2)
Fast hätte ich es vergessen: Dringender Filmtipp! Persepolis – unbedingt ansehen. Bester Film seit verdammt langer Zeit. Ästhetisch, tragisch und schreiend komisch in einem, hier passt der Begriff: Gesamtkunstwerk!
Must see!!!