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Genua

Wir liegen im Trockendock, ein aussergewöhnlicher Zustand für Schiff und Besatzung. Aussen am Schiff werden Wartungsarbeiten ausgeführt, wie beispielsweise das Abstrahlen der Schiffsunterseite mit Sand, um Schmutz zu beseitigen.
In den Innenbereichen wird viel renoviert, neue Kacheln teilweise, neue Anstriche, neue Sitzbezüge, und wir bekommen auch im Lauf der nächsten Tage neue Uniformen.
Wir drehen einen kleinen Film über die Werftzeit, es gibt aber keine Vorgabe, und ich drehe eher nach Gefühl, was ich gerade interessant finde.
Viele Kollegen können ja ohne Gäste ihren normalen Job nicht ausführen, wie z.B. die Leute von der Bar oder die Fitness-Trainerinnen. Sie haben in der Werftzeit Sonderaufgaben, z.B. Wachdienste, oder Putzarbeiten in Ihren Bereichen.
Bei uns wird leider nichts an der Technik gemacht, obwohl einige Geräte ausser Funktion sind. Allerdings kann es sein, dass kurzfristig doch noch etwas passiert. Es geht leicht chaotisch zu.

Genua ist nachts sehr schön. Es gibt viele kleine, hübsch beleuchtete Gassen, die sich auf- und abwinden, es ist hügelig hier.

Ich schlafe konstant sehr gut an Bord, nur das Aufwachen ist immer etwas anders. Heute morgen war ich schwermütig, ohne bestimmten Grund. Ich brauche eine kleine Abwechslung, das würde gut tun. Gestern abend habe ich eine Eislaufbahn am Hafen entdeckt, die ich in den nächsten Tagen besuchen will. Sie hat einen übernatürlichen Charme, das gesamte Werftsgelände übrigens auch. Es sieht aus wie eine Mischung aus 80er-Jahre-Filme, wie Rocky oder Dirty Dancing. Das ist in Italien generell auffällig, finde ich. Hier ist vieles ein bisschen stehengeblieben, oft auf eine sympathische Weise.

Ich habe einen neuen Kabinen-Kameraden, Michael, ca. 35 Jahre, Bühnentechniker. Sein Vorgänger, Maurice, war eine ganze Ecke jünger als ich, und wir konnten uns nur über wenige Themen unterhalten, da wir aus anderen Welten sind. Eins dieser Themen war “Karate Tiger 3″, den er sich neulich abends angesehen hat, und den ich damals vor 18 Jahren auch ganz gut fand. Ich musste so lachen, obwohl ich nur 2 Minuten anwesend war, ich glaube, ich habe Maurice irritiert. Da musste ich noch mehr lachen.

Michael ist ein Ruhiger, der nicht so viel spricht. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich nicht so oft in der Kabine bin :-) .

Gestern abend bin ich mit Alejandro, dem musikalischen Leiter, durch Genua gezogen. Er ist aus Argentinien, das finde ich schon sehr sympathisch, denn ich mag viele Eigenheiten der Argentinier, besonders den Akzent. Er ist auch an einem oder mehreren Wendepunkten im Leben. Interessant sind Gespräche, die man darüber führen kann. Viele können das nicht oder haben vielleicht kein Lust dazu, empfinden es als anstrengend.

Am besten gefallen mir die Leute hier, die sich über Anstrengung keine Gedanken machen und bei sich selbst sind, aber wie im echten Leben gibt es das nicht so oft.

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